Geocaches blindengerecht anlegen
Anders als für Webinhalte und Gebäude, gibt es für das Verstecken von Geocaches keine festen Richtlinien für Barrierefreiheit. Ich nenne hier aber einige Tipps für Cache Owner, wie man die Teilhabe blinder Menschen an dieser herrlichen Freizeitaktivität gewährleisten kann.
Barrierefrei heißt hier nicht frei zugänglich. Schließlich stellt das Versteck eine Barriere dar, die gewollt ist. Mit barrierefrei ist gemeint, dass das Versteck auch ohne Sehsinn gefunden werden kann, dass die Aufgabe blind zu lösen ist.
Einen Cache im Wald auf einem Baum zu verstecken, ist so, wie einen Ton im weißen Rauschen zu verstecken. Mit den Augen lassen sich mögliche Verstecke ausmachen und Bäume, die nicht in Frage kommen, ausschließen. Ein Blinder müsste jeden Baum in der Umgebung erklettern, um jeden Ast auf ein mögliches Versteck hin zu prüfen.
Dagegen sind Caches gut, deren Versteck sich von ihrer Umgebung unterscheidet. Ein Bauwerk etwa, eine Skulptur oder eine Bank.
Beim Legen eines Cache sollte man sich fragen, ob das Versteck durch taktile Erkundung zu finden ist, bzw. ob die Aufgabe ohne sehen zu können lösbar ist. Möchte man den Cacher beispielsweise Zahlen auf einem Schild addieren lassen, kann man für diese Info vielleicht eine Internet-Quelle als Alternative anbieten. Neben Visuellen Richtungs- und Entfernungsangaben kann man haptisch oder akustisch wahrnehmbare Wegpunkte nennen. Etwa "eine Einfahrt mit Kopfsteinpflaster" oder "wo der Kiesweg in Gras übergeht". Am besten man fragt sich, wie man das Versteck einer blinden Person beschreiben würde.
Beispiele blindengerechter Caches
Diese Beispiele enthalten Spoiler, weil ich beschreibe, wie ich sie gefunden habe.
GC4V6P4 Proktologie am Strand (Traditional Cache) in Schleswig-Holstein, Germany
Mein erster Fund. Aufgrund des Namens schloss ich auf eine Figur oder Skulptur. Wir haben mit den Langstöcken den Wegesrand sondiert und nach einigen Bäumen etwas hart klingendes getroffen. Dass die Figur ein gebücktes Männchen darstellt, hat sich uns nicht erschlossen, aber die vom Strand abgewandte Seite musste hinten sein - und ein Proktologe sucht immer hinten...
GC6P26T Cacher's Love (Traditional Cache) in Hamburg, Germany
Hier musste ich ein Schloss an einem Brückengeländer suchen. Beides Dinge, die man wunderbar erfühlen kann. Ich musste natürlich jede einzelne Strebe von oben bis unten absuchen, aber ich hatte Erfolg. Den Code habe ich mir von einem Muggel einstellen lassen. Schön wäre hier ein Schloss mit tastbaren Ziffern gewesen.
GC4FXEE Habafa (Traditional Cache) in Hamburg, Germany
Eine Einfahrt hatte ich aufgrund der Beschreibung schon vermutet. Zudem hatte ich per Navigations-App vorab die Adresse ermittelt und vor Ort einen Muggel nach der Hausnummer gefragt, der sie bestätigte. Dann habe ich die Wände nach Besonderheiten abgesucht. Ein Schaukasten mit Metallrahmen, der eine Nische zur Wand hat, das schreit nach einem Magnetischen Cache. Mit der Hand hochgefahren und Bingo!
GC305AJ #1 Fagerås (Traditional Cache) in Akershus, Norway
Das war schwer. Ein von Dickicht und Bäumen überwucherter, mittelalterlicher Bauernhof, von dem nur noch Steinhaufen übrig sind. Dass ich unter Steinen suchen sollte, war schon klar. Eine Stunde lang habe ich mich durch das Dickicht gekämpft und Steine umgedreht. Als ich den Cache schließlich fand, war ich verschwitzt, verdreckt und verzückt.
Schön ist, dass bei diesem Cache Blinde und Sehende gleichgestellt sind. Sehende sind zwar schneller, weil sie sehen, wo Steine liegen und wie sie am besten dort hinkommen, aber auch sie müssen jeden Stein umdrehen, bis sie den Richtigen Erwischen.
Viel Spaß in der Welt! ThirstyBoots