Geschichte des Projekts Hilfsmittel-Making

Foto eines elektronischen Experimentierbretts mit einer Arduino-Schaltung

Im DBSV-Jugendreferat wollen wir blinden Menschen den Zugang zu aktuellen Trends und beliebter Freizeitgestaltung ermöglichen.

Zu diesem Zwekc begann ich im Herbst 2022 zu recherchieren, ob Making mit Arduino blind Möglich ist.

Da es im Web keine Informationen von oder für Blinde zum Thema Arduino gab, habe ich einen Selbstversuch gestartet. Ich wollte eine Schaltung bauen und dabei die Information, die es nicht gab, aus meinen Erfahrungen generieren.

Ich wollte wissen: Ist die Software mit Screen Reader bedienbar? Woher weiß ich, welche Bauteile ich für ein Projekt brauche? Wie ist ein Arduino Board aufgebaut? Gibt es textliche Beschreibungen von Bauteilen und Schaltkreisen?

Das Ergebnis war ernüchternd. Schaltkreise werden im Web immer als Diagram dargestellt. Kein Mensch beschreibt die Pinbelegung eines Bauteils oder Boards. Ist ja alles aufgedruckt.

Für Sehende gibt es zudem Starterkits mit bebilderten Anleitungen für Einstiegsprojekte.

Für mich war unklar, wie ich überhaupt einsteigen, womit ich anfangen sollte.

Bei einer rein beruflichen Recherche hätte ich an diesem Punkt aufgegeben und meinem Team zurückgemeldet, Arduino ist blind nicht möglich. Zu viele unüberwindliche hürden.

Inzwischen fühlte ich mich aber selbst von diesen Hürden betroffen. Ich war derjenige, dem der Zugang erschwert wurde. Das wollte ich mir nicht bieten lassen.

Ich bat im Arduino Forum um verbale Beschreibungen von Schaltungen. Ich ließ mir Bauteile von einem Freund oder per Be My Eyes beschreiben. Ich bestellte Bauteile einzeln statt im Kit, um sie auseinanderhalten zu können. Beschreibungen und Board-Layouts legte ich in Dokumenten ab, um bei Bedarf darauf zugreifen zu können.
Und ich habe viele, viele Projektskizen und Forenbeiträge durchgelesen, um an irgendeine versteckte Information zu kommen, die mir noch fehlte.
Ich war von dem Willen besessen, mir das Arbeiten mit Arduino unbedingt anzueignen.

Mittlerweile war die Dienstrecherche für mich zu einer Freizeitaktivität geworden. Der Aufwand, den ich betrieb, wäre in meiner Arbeitszeit nicht möglich gewesen.

Erster Erfolg

Foto von Robbie beim Vortrag Arduino blind, Auf einem großen Monitor die Arduino IDEIm Juli 2023 stellte ich meine Erfahrungen auf dem 37. Kongress der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik in Marburg vor.

Ich konnte mein erstes Projekt vorstellen, ein Lichtmelder, der Helligkeit in Töne umwandelt.

Die Schaltung ist aus heutiger Sicht ein denkbar einfaches Einstiegsprojekt. Im Juli 2023 war sie aber ein hard erarbeitetes Gesellenstück, mit dem ich zeigen konnte, Arduino geht auch blind.

Blinde kennen einen Lichtmelder als einfaches, aber praktisches Hilfsmittel, mit dem man prüfen kann, ob in einem Raum Licht brennt, ob es draußen hell ist etc. Die Funktion gibt es bereits auf dem Smartphone, weswegen es eigentlich sinnlos ist, einen Lichtmelder mit Arduino zu bauen.

Da das Hilfsmittel aber vielen blinden Menschen bekannt ist und wegen des akustischen Feedbacks eignete es sich  gut für die Vorführung.

Beginn des Hilfsmittel-Making Projekts

Nach meinem Vortrag fragte mein Kollege Reiner Delgado, ob ich den Lichtmelder auch für taubblinde Menschen bauen könne.

Er erklärte, dass viele Blindenhilfsmittel für taubblinde menschen nicht zugänglich wären, da sie meistens mit Tönen oder Sprachausgabe funktionieren.

Ich war zunächst bestürzt, dass es nicht mal ein einfaches Hilfsmittel wie einen Lichtmelder für Taubblinde Menschen gibt.

Dann kam ich auf die Idee, statt eines Lautsprechers einen Vibrationsmotor zu verwenden. Je heller das Licht, desto stärker die Vibration. Der Code musste natürlich entsprechend angepasst werden.

So entstand das erste von mir entwickelte Hilfsmittel für Taubblinde Menschen.

Im November 2023 habe ich einige Geräte auf dem Taubblindentag in Kassel vorgestellt,

Im Mai 2024 stießen die Geräte beim Louis-Braille-Festival auf großes Interesse.

Im November 2025 stelle ich mein Projekt auf der Konferenz der Behindertenbeauftragten der Länder und des Bundes vor.